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Die kulturelle Landschaft im Landkreis Harburg und darüber hinaus wird
durch eine Attraktion reicher: Erstmals werden an der Kunststätte Bossard in
Jesteburg-Lüllau im Rahmen einer hochkarätigen Ausstellung Kleinplastiken so
bedeutender Künstler wie Ernst Barlach, Käthe Kollwitz, Aristide Maillol, Marino
Marini, Henry Moore, Auguste Renoir, Karl Schmidt-Rottluff und Renée Sintenis zu
sehen sein. Kuratorin der Ausstellung ist die Direktorin der Kunststätte, Dr.
Gudula Mayr, die im August vergangenen Jahres die Leitung des Hauses unter
anderem mit dem Ziel übernommen hatte, das Museum als eigenständige
Kulturinstitution auch über die Landkreisgrenzen hinaus weiter zu etablieren.
„Wir freuen uns sehr, nun diese hochwertigen Leihgaben hier zu zeigen und mit
dieser Ausstellung zur Belebung der kulturellen Landschaft im nördlichen
Niedersachsen beitragen zu dürfen“, sagte Dr. Gudula Mayr am Freitag, 4.
Juni, im Rahmen einer Pressekonferenz.
„Von Renoir bis Moore – Kleinplastiken aus der Nationalgalerie Berlin an der
Kunststätte Bossard“, so lautet der Titel der Ausstellung, die am 25. Juni
eröffnet und bis zum 24. Oktober 2010 zu sehen sein wird. Die Exponate sind
Leihgaben der Nationalgalerie Berlin. Den Kleinplastiken werden ausgewählten
Bronzen und Keramiken Bossards gegenübergestellt. So eröffnen sich neue
Perspektiven auf das bildhauerische Werk des Künstlers, der sich mit der
Kunststätte – ein Gesamtkunstwerk aus Malerei, Bildhauerei, Architektur und
Gartenkunst – gemeinsam mit seiner Frau Jutta einen Lebenstraum erfüllte.
„Mit dieser Ausstellung ist ein großer Wurf gelungen. Ich bin mir sicher,
dass es ein besonderes Erlebnis für alle Kunstinteressierten ist – sicherlich
eine der spannendsten Kunstausstellungen hier im Landkreis seit vielen Jahren
und vielleicht auch für viele Jahre“, sagte der Stiftungsratsvorsitzende der
Kunststätte Bossard, Landrat Joachim Bordt.
„Ehrlich gesagt, als Frau Dr. Mayr das erste Mal die Idee für diese
Ausstellung vorbrachte, haben wir alle nicht so recht daran geglaubt, dass dies
gelingen könnte. Denn erstens stellt sich natürlich die Frage, ob man überhaupt
an diese Ausstellung herankommt – man muss als Museum schon einen gewissen Ruf
haben und auch wissenschaftliches Renommee spielt eine Rolle“, so Joachim Bordt
weiter. Zweitens müsse eine solche Ausstellung auch finanziert werden. Ein
besonderer Dank gelte deshalb nicht nur der Museumsleiterin, die die
Herausforderung hervorragend gemeistert habe, dieses „Kunst-Highlight“ nach
Jesteburg zu holen. Bordt richtete seinen Dank auch an die Staatlichen Museen zu
Berlin, die Stiftung Niedersachsen, die EWE-Stiftung und die Niedersächsische
Sparkassenstiftung, ohne deren großzügige Unterstützung die Ausstellung „nur ein
schöner Traum“ geblieben wäre.
Die Kleinplastiken aus der Nationalgalerie Berlin, die den Werken Bossards
gegenüber stehen, zeigen die Entwicklung der Bildhauerkunst zu Lebzeiten
Johann Michael Bossards (1874-1950). Um und nach 1900 schuf Bossard Kleinbronzen
im Geiste des ausgehenden Historismus und des Jugendstils. 1906 erzielte er auf
einer Berliner Ausstellung einen Aufsehen erregenden Erfolg, kurz darauf wurde
er an die Staatliche Kunstgewerbeschule in Hamburg berufen. Seit den 20er Jahren
schuf er auch stilistisch eigenwillige, organische Kleinplastiken aus Keramik.
„Am glücklichsten ist Bossard in seinen kleinen Bronzen, die einen
liebenswürdigen Humor zeigen“, schrieb die „Deutsche Zeitung“ im Oktober
1906 anlässlich einer Ausstellung von Bossard-Werken im Berliner Kunstsalon
Keller und Reiner. Und im März 1912 war anlässlich einer Schau im Hamburger
Museum für Kunst und Gewerbe in den „Hamburger Nachrichten“ zu lesen: „Unter
[seinen] Kleinplastiken sind einige Werke, die ich den besten Leistungen in
dieser Kunst aus der letzten Zeit an die Seite stelle. Überall, wo Bossard sich
dazu zwingt, die Phantasie in reine Formempfindung umzusetzen oder aufzulösen,
gelingt ihm der Wurf. Welch reizendes Werkchen ist nicht der Kugelwerfer!“
Johann Michael Bossards Werk wissenschaftlich weiter aufzuarbeiten, liegt der
Direktorin Mayr am Herzen. Ein erster Meilenstein auf diesem Weg ist nun
erreicht: Begleitend zur Sonderausstellung wird auch ein Katalog erscheinen, der
sich speziell den Kleinplastiken Bossards widmet und sie in die Entwicklung der
Bildhauerkunst einordnet – so wie sie auch in den Leihgaben aus Berlin deutlich
wird. „Bei der Konzeption der Ausstellung ging es uns zudem darum, nicht nur die
bekannten männlichen Bildhauer in den Fokus zu rücken, sondern auch zu zeigen,
was Bildhauerinnen geschaffen haben“, sagt die Kunsthistorikerin Mayr. Ein
Beispiel dafür seien die zahlreichen Exponate der Bildhauerin Renée Sintenis,
die zu den bemerkenswertesten Künstlerinnen der Weimarer Republik zählte.
DATEN ZUR SONDERAUSSTELLUNG:
„Von Renoir bis Moore. Kleinplastiken aus der Nationalgalerie Berlin an
der Kunststätte Bossard“: 25. Juni bis 24. Oktober 2010 – Bossardweg 95 –
21266 Jesteburg – Telefonnummer (0 41 83) 51 12 – info@bossard.de –
www.bossard.de.
Öffnungszeiten: 10-18 Uhr (montags geschlossen). Eintritt: 7 Euro, Besucher
unter 18 Jahren haben freien Eintritt. Am Sonnabend, 26. Juni 2010, ist die
Kunststätte Bossard zusätzlich von 19-24 Uhr im Rahmen der Museumsnacht
geöffnet. Parallel zur Sonderausstellung gibt es auch ein umfangreiches
Kreativ-Programm mit dem Schwerpunkt Bildhauerei und plastisches
Gestalten.
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